Der 25. April ist ein Feiertag in Portugal. Er wird Tag der Freiheit (O Dia da Liberdade) genannt. Er steht für die Erinnerung an die Nelkenrevolution, die im Jahr 1974 stattfand und das Ende der damaligen Diktatur Salazar bedeutete.
Portugal vor der Nelkenrevolution
Um die Nelkenrevolution vom 25. April 1974 zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Jahrzehnte davor. Portugal wurde zu diesem Zeitpunkt bereits seit fast einem halben Jahrhundert autoritär regiert. Aus der Militärdiktatur, die 1926 die Erste Portugiesische Republik beendet hatte, entwickelte sich 1933 der sogenannte Estado Novo („Neuer Staat“).
António de Oliveira Salazar und der Estado Novo
Die prägende Figur des Estado Novo war António de Oliveira Salazar. Der Wirtschaftsprofessor wurde 1928 zunächst Finanzminister und übernahm 1932 das Amt des Ministerpräsidenten. Unter seiner Führung entstand ein autoritärer und konservativer Staat, der politische Freiheiten stark einschränkte.
Oppositionsparteien konnten sich nicht frei betätigen, Wahlen waren nicht demokratisch und Kritik an der Regierung wurde unterdrückt. Gleichzeitig propagierte das Regime traditionelle Werte wie Familie, katholische Religion, Nationalismus und Gehorsam gegenüber dem Staat.
Auch Portugals Kolonien spielten für Salazars Politik eine zentrale Rolle. Angola, Mosambik, Portugiesisch-Guinea und weitere Gebiete wurden vom Regime als untrennbare Bestandteile Portugals betrachtet. Bereits der Kolonialakt von 1930 hatte die zentralistische Kontrolle der Kolonien durch die Regierung in Lissabon festgeschrieben.
Zensur und politische Repression
Das Leben im Estado Novo war von einer weitreichenden Zensur geprägt. Zeitungen und andere Veröffentlichungen wurden kontrolliert, bevor sie erscheinen durften. Die Zensur beschränkte sich jedoch nicht auf die Presse. Sie erstreckte sich auch auf Literatur, Radio, Film und andere Formen kultureller und politischer Meinungsäußerung. Ab 1940 wurde die Zensur zentral vom Innenministerium organisiert und unterstand damit unmittelbar dem Machtbereich Salazars.
Wer sich öffentlich gegen das Regime stellte, musste mit Überwachung, Verhaftung oder Gefängnis rechnen. Trotz dieser Repression gab es immer wieder Widerstand gegen die Diktatur. Republikaner, Sozialisten, Kommunisten, Gewerkschafter, Intellektuelle und andere Oppositionelle versuchten über Jahrzehnte, politische Veränderungen herbeizuführen.
PIDE – die gefürchtete Geheimpolizei
Ein wichtiges Instrument zur Sicherung der Diktatur war die politische Polizei. Besonders berüchtigt wurde sie unter dem Namen PIDE – Polícia Internacional e de Defesa do Estado. Ihre Aufgabe bestand unter anderem darin, Gegner des Regimes zu überwachen und oppositionelle Aktivitäten zu bekämpfen.
Die PIDE kontrollierte politische Gegner, fing Briefe ab und nahm Regimekritiker fest. Tausende Portugiesen wurden während der Diktatur aus politischen Gründen inhaftiert. Zu den bekanntesten Verbrechen der politischen Polizei gehört die Ermordung des oppositionellen Generals Humberto Delgado im Jahr 1965.
1969 wurde die PIDE in DGS – Direção-Geral de Segurança umbenannt. Der neue Name bedeutete jedoch keineswegs das Ende der politischen Überwachung und Repression.
Marcelo Caetano folgt auf Salazar
1968 erlitt Salazar schwere gesundheitliche Probleme und konnte die Regierung nicht mehr weiterführen. Sein Nachfolger wurde Marcelo Caetano.
Mit ihm verband sich zunächst die Hoffnung auf eine vorsichtige Öffnung des Landes. Tatsächlich gab es einige Veränderungen, doch die wesentlichen Strukturen des Estado Novo blieben bestehen. Es gab weiterhin keine freien demokratischen Wahlen, keine freie Parteienlandschaft und die Zensur sowie die Verfolgung politischer Gegner wurden nicht abgeschafft.
Damit wuchs die Unzufriedenheit mit dem Regime weiter.
Die Kolonialkriege verschärfen die Krise
Zu einer immer größeren Belastung wurden die portugiesischen Kolonialkriege. Seit Beginn der 1960er-Jahre kämpften Unabhängigkeitsbewegungen in Angola, Portugiesisch-Guinea und Mosambik gegen die portugiesische Kolonialherrschaft.
Portugal hielt dennoch an seinen afrikanischen Gebieten fest und schickte über Jahre hinweg Soldaten in die Kolonialkriege. Die Konflikte kosteten Menschenleben und verschlangen erhebliche finanzielle Mittel. Gleichzeitig mussten immer neue Generationen junger Portugiesen Militärdienst in Afrika leisten.
Der Widerstand gegen die Kriege wuchs – auch innerhalb der Streitkräfte. Vor allem jüngere Offiziere kamen zunehmend zu der Überzeugung, dass die Konflikte militärisch nicht zu lösen waren.
Aus dieser Unzufriedenheit entstand die Bewegung der Streitkräfte (Movimento das Forças Armadas, MFA). Sie bereitete schließlich den Militärputsch vor, der das Regime zu Fall bringen sollte.
Der 25. April 1974
Am Abend des 24. April 1974 begann die entscheidende Operation. Um 22:55 Uhr wurde im Radio das Lied „E Depois do Adeus“ von Paulo de Carvalho gespielt. Für die beteiligten Militärs war es das erste vereinbarte Signal.
Kurz nach Mitternacht folgte das zweite und entscheidende Zeichen: Um etwa 0:20 Uhr spielte Rádio Renascença „Grândola, Vila Morena“ von José Afonso. Das vom Regime unerwünschte Lied signalisierte den beteiligten Einheiten, dass die militärische Operation wie geplant begonnen hatte.
In den folgenden Stunden besetzten die Truppen des MFA strategisch wichtige Punkte. Ministerpräsident Marcelo Caetano zog sich in die Kaserne am Largo do Carmo in Lissabon zurück. Obwohl die Bevölkerung aufgefordert worden war, zu Hause zu bleiben, gingen Tausende Menschen auf die Straßen und unterstützten die aufständischen Soldaten.
Am frühen Abend gab Caetano schließlich auf und übertrug die Macht an General António de Spínola. Das jahrzehntelange autoritäre Regime Portugals war damit praktisch beendet.
Die Revolution verlief im Vergleich zu vielen anderen politischen Umstürzen weitgehend friedlich. Ganz ohne Opfer blieb der 25. April jedoch nicht. Vor der Zentrale der PIDE/DGS in der Rua António Maria Cardoso schossen Angehörige der politischen Polizei auf die versammelte Menge. Dabei wurden vier Menschen getötet und 45 verletzt.
Der 25. April 1974 markierte damit das Ende des Estado Novo und den Beginn des portugiesischen Übergangs zur Demokratie. Die Bilder von Soldaten und Bürgern mit roten Nelken wurden zum Symbol dieses Umbruchs – und gaben der Nelkenrevolution ihren Namen.
Wie wird der 25. April heute in Portugal gefeiert?
Der 25. April ist heute einer der wichtigsten nationalen Feiertage Portugals. Als Dia da Liberdade – Tag der Freiheit – erinnert er an die Nelkenrevolution von 1974 und damit an das Ende der Diktatur und den Beginn der Demokratie. Schulen, Behörden und viele Geschäfte bleiben an diesem Tag geschlossen. (Visit Portugal)
Im ganzen Land finden Gedenkveranstaltungen, Ausstellungen, Konzerte und öffentliche Feiern statt. Dabei geht es nicht nur um die Erinnerung an die Revolution, sondern vor allem um die Werte, die mit dem 25. April verbunden werden: Demokratie, Meinungsfreiheit und politische Teilhabe. Ein Symbol ist bis heute allgegenwärtig: die rote Nelke. Viele Portugiesen tragen am 25. April eine Nelke oder schmücken damit Veranstaltungen und öffentliche Plätze.
Auch die Musik der Revolution gehört zu den Feierlichkeiten. Besonders „Grândola, Vila Morena“ von José Afonso ist untrennbar mit dem 25. April verbunden und wird bei Veranstaltungen immer wieder gespielt oder gemeinsam gesungen. (Visit Portugal)
Der 25. April in Porto – tag der Nelkenrevolution
In Porto wird der Tag besonders sichtbar im Zentrum der Stadt gefeiert. Ein Höhepunkt ist die traditionelle Demonstration bzw. Parade über die Avenida dos Aliados, an der zahlreiche Menschen teilnehmen. Die zentrale Achse vor dem Rathaus wird damit zu einem der wichtigsten Treffpunkte der Feierlichkeiten in Porto.
Begleitet wird der Feiertag regelmäßig von einem kulturellen und politischen Programm mit Konzerten, Ausstellungen, Diskussionen und Gedenkveranstaltungen. Besonders umfangreich waren die Feierlichkeiten 2024 zum 50. Jahrestag der Revolution, als die Stadt unter dem Motto „Revolução Já!“ ein ganzjähriges Kulturprogramm veranstaltete.
Wer am 25. April in Porto ist, erlebt deshalb keinen gewöhnlichen Feiertag. Vor allem rund um die Avenida dos Aliados und die Praça da Liberdade wird deutlich, welche Bedeutung die Nelkenrevolution auch mehr als fünf Jahrzehnte später für viele Portugiesen besitzt.
